Freileitungen: Magnetische Felder erregen Kritik der Gegner

Die moderne Welt wäre ohne Magnetismus nicht denkbar. Computer, Glühbirne, Kühlschrank - all das gäbe es ohne Magnetkräfte nicht. Denn sie sind es, die in einem Generator dafür sorgen, dass Strom entsteht. Einzige Ausnahme sind die chemischen Prozesse in Solarzellen. Umgekehrt erzeugt elektrischer Strom, der durch ein Kabel fließt, ein Magnetfeld. In Deutschland wird Wechselstrom mit einer Frequenz von 50 Herz verwendet, das bedeutet, die Stromrichtung ändert sich 50 Mal pro Sekunde. Dadurch entsteht ein niederfrequentes magnetisches Wechselfeld - auch dann, wenn kein Strom aus der Steckdose entnommen wird.

Die Auswirkungen der Magnetfelder sind heftig umstritten. Verantwortliche gemacht werden sie für so ziemlich jedes Übel von der Säuglingssterblichkeit bis hin zum Krebs. Proteste gibt es vor allem dann, wenn neue Hochspannungsleitungen durchs Land gezogen werden sollen. Rund 3.500 Kilometer davon werden in den nächsten Jahren gebraucht, um den Strom von Windkraftanlagen und Solarzellen zu den Verbrauchern zu befördern. Anwohnerinitiativen befürchten - neben einer Beeinträchtigung des Landschaftsbildes - meist auch Belastungen durch die Magnetfelder um die dicken Kabel, die unter einer Spannung von 380.000 Volt stehen und enorme Strommengen transportieren. Der Strahlungsgrenzwert von 100 Mikro-Tesla muss zwar auch direkt unter einer Freileitung eingehalten werden - Kritiker halten ihn jedoch für viel zu hoch. Die Intensität des Magnetfeldes sinkt aber mir zunehmender Entfernung vom elektrischen Leiter schnell.

Allerdings: Auch bei den niedrigeren Spannungen im Haushalt treten magnetische Felder auf. Besonders intensiv natürlich um Geräte, in denen viel Strom fließt, wie zum Beispiel Staubsauger und Haarfön. Mit Schnurlostelefon, Mikrowelle und W-LAN holen sich zudem viele Verbraucher freiwillig starke Strahlenquellen in die Wohnung. Darauf verweisen Stromanbieter gern, wenn sie die Kritik von Anwohnern an einer geplanten neuen Stromleitung erwidern. Vollständig ausgeräumt sind die Bedenken gegen Schäden durch magnetische Felder aber nicht. Das Energieleitungs-Ausbaugesetz EnLAG sieht deshalb Mindestabstände von 200 bis 400 Metern zwischen Wohngebäuden und Höchstspannungsleitungen vor.